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Die Eingewöhnung – So gelingt der Start mit deinem neuem Hund

Die Eingewöhnung

Nach all dem Trubel rund um die Vorbereitungen und die Anschaffung ist es nun endlich soweit. Dein neuer Hund sitzt schwanzwedelnd vor dir und wartet, dass es losgeht. Im Idealfall hast du dir Urlaub nehmen können für die erste Zeit aber trotzdem bist du dir nicht ganz schlüssig. Wie gestaltest du die Eingewöhnung deines neuen Hundes jetzt am besten? Dazu habe ich dir in diesem Artikel einmal die wichtigsten Tipps und Tricks zusammengefasst, damit euer Start gelingt und du die Grundlage für ein entspanntes Zusammenleben schaffst.

Warum ist die Eingewöhnung überhaupt so wichtig?

Eigentlich ist das doch gar nicht so schwer oder? Du kaufst dir einen Hund und zack! Schon gehen die tollen gemeinsamen Abenteuer los. Aber an der Sache gibt es einen Haken: Hunde sind nun mal Lebewesen und haben ihren eigenen Kopf. Sie müssen, ebenso wie beispielsweise Kinder, erst einmal lernen, wie das Leben so funktioniert. Was sie dürfen und was nicht, welche Abläufe es gibt und wie diese oder jene Situation geregelt wird.

Während der Eingewöhnung fängst du genau damit an. Du legst quasi den Grundstein für euer weiteres Zusammenleben und gibst eine erste, möglichst klare Richtung vor. Das macht es für deinen Hund bedeutend leichter sich anzupassen und sich an die Spielregeln zu halten. Auch, wenn Erziehung und Training natürlich nicht nach den ersten 2-3 Wochen abgeschlossen sind, sondern es da meist erst so richtig losgeht.

Doch wenn dein Vierbeiner in den ersten paar Wochen alles darf, weil er ja neu und so süß ist, dann wirst du später ziemliche Probleme kriegen. Gerade Welpen, die sich noch in der Sozialisierungsphase befinden, saugen solche Dinge förmlich auf. Daher gilt: Lieber von Anfang an richtig, als später Fehler mühselig ausbessern zu müssen.

Die Ankunft

Vorab solltest du unbedingt deine Wohnung vorbereiten. Also alles Wichtige außer Reichweite stellen, Kabel und Steckdosen sichern, giftige Lebensmittel und auch Zimmerpflanzen so verstauen, dass nichts passieren kann.

An dem Tag, an dem dein Hund einzieht, solltest du dann vor allem für eine Sache sorgen: Ruhe. Für deinen neuen besten Freund ist das alles nämlich ohnehin schon furchtbar aufregend. Eine völlig neue Umgebung, neue Menschen und Tiere. All das Vertraute ist plötzlich weg. Bis auf vielleicht eine Decke mit dem Geruch seines alten Zuhauses.

Gib ihm deshalb die Zeit seine neue Heimat ganz in Ruhe in seinem eigenen Tempo zu erkunden. Dränge ihn nicht, wenn er vielleicht noch nicht in jeden Raum hinein möchte oder sich nicht von jedem Menschen anfassen lassen möchte. An diesem Tag wird er schließlich geradezu überflutet von Reizen und daher liegt es in deiner Hand zumindest den Rest so entspannt wie möglich zu gestalten.

Das bedeutet auch, dass ihr nicht unbedingt direkt erstmal zig Kilometer weit lauft, in den Hundepark geht und all deine Freunde zu Besuch kommen, um den neuen Hund zu begrüßen. Dafür habt ihr noch mehr als genug Zeit, sobald der Vierbeiner so richtig angekommen und etwas zur Ruhe gekommen ist.

Einen Rückzugsort schaffen

Jeder Hund sollte so etwas in seinem Zuhause haben. Einen Ort, an den er sich jederzeit zurückziehen kann und auch wirklich in Ruhe gelassen wird, wenn ihm etwas zu viel wird. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein. Ein Körbchen, eine offene Box oder eine einfache Decke.

Zu beachten wäre nur, dass du diesen Ort so platzierst, dass der Trubel etwas abgeschirmt ist. Also beispielsweise das du das Körbchen nicht direkt im Flur neben die Haustür stellst, wo alle 5 Minuten jemand vorbeiläuft. Eine ruhige Ecke im Wohnzimmer wäre zum Beispiel gut geeignet. Nicht vom Rest der Gruppe isoliert aber schon an einem ruhigen Platz, wo nicht ständig jemand für Aufregung sorgt.

Dieser Platz sollte übrigens auch von allen respektiert werden. Egal, ob Familie oder Besuch. Geht der Hund auf seinen Platz, haben ihn auch alle in Ruhe zu lassen.

Die Eingewöhnung Stück für Stück aufbauen

Nachdem der erste Tag dann überstanden ist, kannst du schauen, wie sich den Hund inzwischen verhält. Ist er aufgeschlossen und neugierig, kannst du damit beginnen ihm langsam alles weitere zu zeigen. Zum Beispiel jeweils 1-2 neue Leute vorzustellen oder auch ein größeres Stück spazieren zu gehen. Ist dein Hund dagegen noch extrem ängstlich und versteckt sich, solltest du ihm noch Zeit lassen sich zu beruhigen und Vertrauen zu fassen.

Das Ganze ist also sehr individuell. Jeder Hund ist unterschiedlich und braucht mehr oder weniger Zeit, um im neuen Zuhause anzukommen. Beobachte deinen Liebling ganz genau, um abschätzen zu können, was schon funktionieren könnte und was vielleicht noch zu früh ist.

Wichtig ist, dass du alles Stück für Stück machst. Eins nach dem anderen, damit der Hund auch die Möglichkeit hat all die Reize richtig zu verarbeiten und richtig zu verknüpfen. Letztendlich bringt es dir nämlich überhaupt nichts, alles in 2 Tagen durchzuziehen, weil dein Hund mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit völlig überdrehen wird, was es euch nicht gerade leichter macht.

Die Grundregeln von Anfang an festlegen

Im Haus / in der Wohnung wird nicht getobt.
Schuhe werden nicht angefressen.
Es wird nicht einfach ins Bett gesprungen.
Betteln am Tisch ist tabu.
Das Spielzeug der Kinder ist verboten.

Welche Regeln das bei dir sind musst du bzw. müsst ihr als Familie individuell festlegen, denn schließlich hat jeder andere Vorstellungen davon, was okay ist und was nicht. Trotzdem ist grundlegend zu sagen, dass diese Regeln aber von Anfang an konsequent eingehalten werden sollten. Egal, wie süß der Hund auch ist und egal, wie neu er ist. Die Regeln werden eingehalten und das ist gut für alle Beteiligten. Denn dein Vierbeiner versteht nicht, warum du 3 Wochen lang gelacht hast, wenn er an deinem Hosenbein gezerrt hat und dann auf einmal sauer wirst. Er versteht nicht, warum du dich erst gefreut hast, wenn er aufs Sofa gesprungen kam und plötzlich schickst du ihn weg.

Ein Hund versteht nicht, dass du ihm Zeit lassen wolltest, weil er ja gerade erst eingezogen ist. Deshalb ist es für niemanden gut, wenn du erst Dinge durchgehen lässt, die später absolut unerwünscht sind. Wie bereits erwähnt sind besonders Welpen in dieser Lebensphase besonders empfänglich für solche Sachen und was sie erst einmal verinnerlicht haben, bekommt man nur schwer wieder raus.

Ein respektvolles Miteinander

Dazu gehört übrigens auch, dass der Hund vernünftig mit allen Familienmitgliedern umgeht. Inklusive der Haustiere. Die Katze wird nicht gejagt und dem Kind wird nicht an der Kleidung herumgerissen. Denn letzten Endes bringen wir unserem Vierbeiner damit nur eines bei: Es ist okay sich respektlos zu verhalten und die Grenzen anderer zu überschreiten. Und du kannst es dir sicherlich schon denken, früher oder später bringt das Probleme mit sich. Das hat dann auch nichts mehr mit Spiel und Spaß zu tun. Stell dir vor ein x-beliebiger Mensch würde ankommen und dir an den Sachen herumreißen, weil es ihm Spaß macht. Würdest du das tolerieren?

Die Bindung stärken während der Eingewöhnung

Eine wesentliche Aufgabe in der Eingewöhnung. Zu Beginn sind wir immerhin nur Fremde, bei denen unser Hund jetzt leben muss. Versetzen wir uns mal in seine Lage. Wie würden wir uns fühlen? Vermutlich nicht sehr wohl. Anders wäre es dagegen, wenn sich die Menschen in unserem neuen Zuhause sich wirklich Zeit für uns nehmen, sodass man einander kennenlernt und Vertrauen fassen kann. Genau das ist auch unsere Aufgabe.

In den ersten Wochen im neuen Zuhause bauen wir eine Bindung zu unserem Vierbeiner auf und zeigen ihm, dass er uns guten Gewissens vertrauen kann. Das bedeutet, er lernt, dass von uns keine Gefahr ausgeht, wir für ihn da sind und wir die richtigen Entscheidungen treffen. Entsprechend spielt auch unsere eigene Ausstrahlung eine große Rolle. Vermitteln wir Ruhe und Souveränität? Oder eher Unsicherheit und Angst? Diesen Unterschied spüren unsere Hunde ganz genau und fühlen sich dann dementsprechend sicherer oder eben auch nicht. Das Prinzip der Energieübertragung.

Langsam lernen allein zu bleiben

… und nicht gleich Panik bekommen, weil man denkt, Herrchen oder Frauchen kommen nie mehr zurück. Ja, auch damit solltest du während der Eingewöhnung bereits beginnen. Natürlich nicht gleich auf Schlag über mehrere Stunden, sondern ganz langsam.

Wenn dein Hund schon ein bisschen Vertrauen gefasst hat, kannst du damit beginnen kurz den Raum zu verlassen und hinter dir die Tür zu schließen, sodass er oder sie dir nicht hinterher laufen kann. Klappt das? Dann kannst du auch mal kurz vor die Tür gehen. Müll rausbringen oder eine Runde um den Block laufen. So steigerst du die Intervalle immer weiter, bis du den gewünschten Zeitraum erreicht hast.

Ja und wenn etwas noch nicht klappt? Dann geht es wieder einen Schritt zurück. Der Zeitabstand wird so weit verkürzt, dass der Hund gut damit zurecht kommt. Also kein Jaulen, kein Sachen zerstören. Eine Haustierkamera ist an dieser Stelle ganz praktisch aber kein Muss. Mit diesem gut funktionierenden Zeitintervall startet ihr dann von vorne. Wiederholt es einige Male und steigert dann ganz langsam die Dauer. Erst Minute für Minute, dann mal 5 Minuten mehr, dann 10 Minuten mehr. Immer so, dass es noch gut klappt. Geht´s wieder schief nochmal zurück dahin, wo es noch gut funktioniert hat.

Diese Übungen baust du über die komplette Eingewöhnung immer wieder ein. Jeden Tag ein paar Mal. Bei besonders ängstlichen Hunden mit sehr starken Verlustängsten solltest du besonders langsam vorgehen, um sie nicht zu überfordern. Denn solche Situationen bedeuten für sie enorm viel Stress.

Was ist wichtig zu beachten? Am besten informierst du deine Nachbarn, dass du momentan das allein bleiben trainierst und es ab und zu etwas lauter werden könnte, falls dein Hund bellt oder jault. Ganz wichtig ist nämlich, dass du nicht sofort zurückkommst, wenn er das tut. Damit bringst du ihm nämlich bei, dass er nur lange genug Krach machen muss, dann kommst du wieder zurück und er bekommt seinen Willen. Stattdessen solltest du warten bis zumindest ein paar Minuten Ruhe ist und dann kommst du zurück.

Die Wartezeit versüßen

Um die Wartezeit ein bisschen angenehmer zu gestalten, kannst du deinem Vierbeiner verschiedene Dinge anbieten. Spielzeug, Kauleckerli, beruhigende Düfte wie Lavendel oder auch das Radio laufen lassen, damit es wirkt, als wäre jemand Zuhause. Außerdem ist es immer gut deinen Liebling zuvor auszulasten, sodass er dann in Ruhe schlafen kann, während du weg bist.

Mit Geduld und Spucke

Mit den oben genannten Tipps bist du schon ziemlich gut ausgestattet. Trotzdem wird es mit ziemlicher Sicherheit immer wieder Situationen geben, die ziemlich anstrengend werden. Immerhin ist das Zusammenleben mit einem Hund ein lebenslanger Lernprozess. Nicht nur für deinen Vierbeiner, sondern auch für dich. Du wirst viele Erfahrungen machen, was funktioniert und was nicht. Ihr werdet Erfolge feiern und Rückschläge einstecken, es wird auch mal was schief gehen und vermutlich auch hier und da mal etwas kaputt. Wenn du einen kleinen Trampel daheim hast (wie in meinem Fall zum Beispiel meine beiden Rüden Jack und Djego) kassierst du auch mal einen blauen Fleck oder eine verdrehte Kniescheibe. Du wirst vielleicht mal an einen Punkt kommen an dem du dich fragst, warum du dir all das überhaupt antust. Aber hey…

Gib nicht auf!

So geht es uns allen Mal, denn das Leben als Hundebesitzer ist eben nicht nur ein Ritt auf einem rosa Einhorn. Es bedeutet eine Menge Arbeit, du musst viel Zeit und Geduld investieren aber ich versichere dir, es lohnt sich zu 100%. Also wenn du mal an den Punkt kommst, wo du am liebsten alles hinschmeißen willst, mach eine Pause. Setz dir Kopfhörer auf und atme tief durch. Das geht wieder vorbei. Versprochen.

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