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Die richtige Aufzucht eines Welpen – Darauf musst du achten

Die richtige Aufzucht eines Welpen

Wer einen Welpen zu sich holt, trägt eine große Verantwortung. Egal, ob es nur ein Hund ist oder man als Züchter einen ganzen Wurf bei sich beherbergt. Was hier schief geht oder verpasst wird, ist später nur sehr schwer bis unmöglich wieder auszubügeln. Besonders die ersten 12 Lebenswochen der jungen Hunde spielen eine enorm große Rolle, für ihr gesamtes Leben. Hier wird der Grundstein für alles weitere gelegt, deshalb sollte man sich bei der Aufzucht der Welpen äußerste Mühe geben.

In diesem Artikel verrate ich dir alles Wichtige über die Aufzucht und Entwicklung eines Welpen. Von Geburt an bis zum Junghundealter mit etwa 18 Wochen.

Die Entwicklung der Welpen

Die neonatale Phase

Es ist so weit! Nach etwa 63 Tagen bekommt die Hündin nun endlich den erwarteten Welpen und mit ihrer Geburt beginnt auch die erste der 3 sensiblen Entwicklungsphasen: Die neonatale Phase. Diese erstreckt sich über die ersten zwei Lebenswochen der Welpen.

In dieser Zeit sind die Kleinen noch völlig hilflos. Sie werden taub und blind geboren. Lediglich der Geruchs- und Geschmackssinn sind bereits ausgebildet und helfen den jungen Hunden dabei, die Zitze der Mutter zu finden. Diese sondert nämlich im Bereich des Gesäuges ein bestimmtes Pheromon ab, welches bereits im Fruchtwasser vorhanden war. Dieses Pheromon ist fest im Gedächtnis der Welpen gespeichert und führt sie zur Milchleiste der Hündin. Es sichert das Überleben der Kleinen.

Abgesehen von der Nahrungsaufnahme und Schlaf gibt es für die jungen Hunde nur noch eine weitere wichtige Sache: Wärme aufspüren und sich dort aufhalten. Denn in den ersten zwei Lebenswochen funktioniert die Wärmeregulation der Welpen nicht und sie sind auf die Wärme ihrer Mutter bzw. das Kuscheln mit ihren Geschwistern angewiesen. Andernfalls würden sie völlig auskühlen und früher oder später daran sterben. Aus diesem Grund verlässt der Nachwuchs in den ersten zwei Wochen auch die Wurfbox nicht.

Welpen während der neonatalen Phase.

Die Übergangsphase

Diese beginnt mit der 3. Lebenswoche und hält ein paar spannende Dinge für die Welpen bereit. Denn zum Ende der 2. Woche / Anfang der 3. Woche beginnen sich die Augen und Ohren zu öffnen. Im Laufe der Übergangsphase bildet sich der Seh- und Hörsinn zunehmen aus und wappnet den Nachwuchs für die ersten Ausflüge aus der sicheren Wurfbox.

Auch die Wärmeregulation funktioniert inzwischen selbstständig und die Welpen sind nicht mehr auf ihre Mutter oder Geschwister angewiesen, um die eigene Körpertemperatur zu halten. Ebenso verbessert sich die Muskelkoordination und Kot sowie auch Urin können nun ohne Hilfe der Hündin abgesetzt werden.

Die Sozialisierungsphase

Mit dem 21. Lebenstag der Welpen beginnt dann die besonders anstrengende Phase. Die Sozialisierungsphase, die bis etwa zur 12. / 14. Lebenswoche läuft. Nachdem der Wurf gelernt hat all seine Sinne zu nutzen, geht es nun ans Entdecken der Umwelt. Hier legt der Züchter und auch die neuen Besitzer den Grundstein für das zukünftige Verhalten.

In der Zeit von der 3. bis 5. Lebenswoche sind die Welpen auffällig angstfrei. Das liegt nicht etwa an jugendlicher Selbstüberschätzung, sondern hängt mit der körperlichen Entwicklung zusammen. In dieser Zeit ist der dominierende Bereich im Zentralen Nervensystem nämlich jener, der für die Entspannung zuständig ist. Er verhindert den erregungsbedingten Pulsanstieg und sorgt für eine angstfreiere und entspannte Grundstimmung. Dieser Zeitraum ist enorm wichtig, denn alle Reize dem Welpen hier behutsam beigebracht werden, verknüpft er mit Entspannung. Die Hunde lernen also, dass diese oder jene Reize bedeuten, dass sie sicher sind. Das wiederum ist entscheidend für ihr Wohlbefinden und das sogenannte Urvertrauen.

Machen die Welpen in dieser Zeit irgendwelche besonders schlimmen Erfahrungen oder aber auch gar keine Erfahrungen, erschwert ihnen das ihr gesamtes weiteres Leben. Sie nehmen eine unsichere / misstrauische / ängstliche Grundhaltung ein, was sich bis ins hohe Alter fortsetzt.

Ab der 5. Woche gibt es weitere Veränderungen in der Entwicklung und so mischt sich nun auch Angst mit ein. Das ist aber keineswegs schlecht. Ein gesundes Maß an Angst ist schließlich sehr gesund, denn es bewahrt den Hund vor Gefahren und sichert sein überleben. Nun gilt es dem Welpen beizubringen, vor welchen Dingen er keine Angst haben muss und den sicheren Umgang mit solchen Situationen zu üben. Das Ganze kannst du auch beim VDH noch einmal genauer nachlesen.

Während der Sozialisierungsphase gilt es die Welt zu entdecken.

Das ist bei der Aufzucht zu beachten

Nun hast du schon mal eine Übersicht über die unterschiedlichen Entwicklungsphasen eines Hundewelpen. Kommen wir nun zur Aufzucht selbst und was es zu beachten gilt. Übrigens: Ein guter Züchter ist über diese Entwicklungsschritte im Bilde und arbeitet entsprechend mit seinem Wurf. Ein wichtiger Indikator für dich, ob du dort einen Hund kaufen solltest. (Für weitere Informationen rund ums Thema Hundekauf schaue gern mal hier vorbei.)

Die Aufzucht während der neonatalen Phase

Auch wenn man mit den Welpen im Moment noch nicht viel machen kann, gibt es trotzdem einige Dinge zu beachten. Dazu gehört zunächst einmal die Bereitstellung einer geeigneten Wurfbox oder andere Unterbringung. Die Box sollte dabei nicht zu groß sein, damit sich die Welpen nicht zu weit von der Mutter entfernen können. Denn wie oben beschrieben, sind sie in den ersten zwei Wochen auf sie angewiesen, um zu überleben. Gleichzeitig sollte aber trotzdem genug Platz sein, damit sich die Hündin bequem hinlegen oder auch mal drehen kann, ohne sie zu zerquetschen. Denn auch das kann leider vorkommen.

Aus diesem Grund sollte in regelmäßigen Abständen immer wieder geprüft werden, ob alles in Ordnung ist. Empfehlenswert zum Auskleiden der Box sind weiche Matten, statt Decken, da die Gefahr verringert wird das ein Welpe in eine Falte kriecht und nicht mehr heraus kommt. Auch Rillen oder Löcher sollten vermieden werden, damit der Nachwuchs nicht dort hinein kriecht und womöglich nicht mehr raus kommt, weil sich die Mutter vor die Öffnung legt. Außerdem sollte die Unterbringung der Welpen im besten Fall beheizt sein. Je nach Jahreszeit kann es nämlich ziemlich kalt werden und sollte sich doch mal einer der Kleinen verirren, könnte er umso schneller versterben.

Ab dem Zeitpunkt der Geburt sollten die Welpen täglich kontrolliert werden. Das hat den Vorteil, dass sie sich direkt an die Berührung durch uns Menschen gewöhnen und sollte etwas nicht in Ordnung sein, fällt das Problem zeitnah auf. Je nach Anzahl der Welpen gibt es vielleicht nicht genug Milch für alle und es muss zugefüttert werden. Das tägliche Wiegen gibt Aufschluss, ob sich jeder einzelne gut entwickelt.

Die Aufzucht während der Übergangsphase

Da in dieser Zeit die ersten Ausflüge außerhalb der Wurfbox stattfinden, sollte der Züchter dafür sorgen, dass die Kleinen gut aus der Box raus und auch wieder rein kommen. Außerdem kann er den Welpen ab jetzt entweder eine Kiste mit natürlichem Bodengrund anbieten (Sand, Gras) oder aber ihnen den Zugang nach draußen ermöglichen, sodass sie selbstständig Erde oder eine Wiese aufsuchen können. Damit unterstützt der Züchter die spätere Stubenreinheit der Hunde, denn sie lernen schon jetzt allmählich, dass sie ihre Box sauber halten können, wenn sie sich auf natürlichem Bodengrund entleeren. Auch, wenn das hier natürlich nur erste Anfänge sind.

Außerdem sollte der Außenbereich der Welpen schon jetzt abwechslungsreich gestaltet sein. Das beinhaltet beispielsweise erste Spielsachen, verschiedene Untergründe und auch, dass Geräusche aus dem alltäglichen Leben wie Staubsauger gehört werden.

Bei all dem Training sind genug Pausen und Ruhe sehr wichtig.

Die Aufzucht während der Sozialisierungsphase

Wie bereits erwähnt ist die eine gewissenhafte Aufzucht hier maßgeblich für alles weitere im Leben des kleinen Hundes. Das bedeutet für den Züchter und auch die neuen Besitzer, dass nun trainiert wird. Der Welpe sollte in dieser Zeit in Maßen Schritt für Schritt an unterschiedlichste Reize gewöhnt werden. Autos, Züge, fremde Menschen, andere Tiere, Kinder, der Tierarzt, Alltagsgeräusche wie Staubsauger, Mixer und Co. Denn wir wissen ja nun: Alles was der Hund in dieser Zeit positiv verknüpft, bleibt tief in seinem Gedächtnis ebenso positiv dort verankert.

Die Betonung liegt hierbei auf „in Maßen“. Eine Reizüberflutung ist für den Welpen nämlich auch nicht gut. Er ist erschlagen von all den Eindrücken und schafft es nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Das Ergebnis sind völlig überdrehte Welpen und Übersprungshandlungen, denn Dinge wie Frustrationstoleranz oder Impulskontrolle sind ja bereits von den ersten 3 Übungen aufgebraucht.

Der Zeitpunkt der Abgabe

Eine heiß diskutierte Frage ist der Zeitpunkt der Abgabe. Mit der 8. Woche, 10. Woche oder doch lieber der 12. Woche? Im Endeffekt wirst du hier keine klare Antwort finden, denn jeder sieht das Ganze etwas anders.

Ich persönlich bin aber ein Freund davon die Welpen, wenn die Möglichkeit besteht, schon bis zur 12. Woche bei Mama und Geschwistern zu lassen. In dieser Zeit lernen sie schließlich noch viel in Sachen Sozialverhalten. Was können sie sich erlauben und wann wird Mama sauer? Wie kann ich freundlich in Kontakt treten und welches Maß an Agressionen ist bei Konflikten angebracht? All diese Dinge lernen sie ja im Rudelverband.

Natürlich kann man den gleichen Effekt auch mit einer guten Welpenspielstunde und Kontakt zu Artgenossen erreichen. Doch ob sich die neuen Besitzer ausreichend darum kümmern bzw. überhaupt die Möglichkeit dazu haben ist letztlich ja die Frage. Vielleicht ist auch alles sorgfältig vorbereitet aber sie gehen zu einer Welpenspielstunde, wo der anwesende Trainer leider keine Ahnung hat und unterstützt beispielsweise unbewusst, dass manche Hundewelpen von ihren Artgenossen tyrannisiert werden.

In jedem Fall sollte also bei einer frühzeitigen Abgabe eine Beratung / Unterstützung seitens des Züchters erfolgen und ein besonderes Augenmerk auf die weitere Sozialisierung des Welpen gelegt werden.

Nach dem Auszug liegt es in der Hand der neuen Besitzer das Training fortzusetzen.

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