Erziehung

Falsche Versprechen – Warum Schema F nicht funktioniert

Das Internet ist voll davon. Versprechen wie „Ich zeige dir, wie dein Hund dies und das in kürzester Zeit macht!“. Alles stramm nach Schema F. Meistens sind diese Kurse dann auch ziemlich kostspielig aber lohnt sich das Geld denn auch? Die Wahrheit ist: Meistens eher nicht. Warum erkläre ich dir jetzt.

Berufsbezeichnung Hundetrainer

Auch, wenn ich es absolut nicht gut heiße: Die Berufsbezeichnung „Hundetrainer“ ist nicht geschützt und somit kann sich quasi jeder dahergelaufene Trottel so nennen. Und leider tut das eben auch so manch einer. Somit gibt es auch keinen einheitlichen Wissensstand oder einen berufsübergreifenden Standard in der Hundetrainerbranche, der eine gewisse Qualität sichern könnte. Jeder kann sagen, was er möchte.

Zwar ist seit dem 1.8.2014 der §11 TierSchG für das gewerbsmäßige Ausbilden von Hunden und deren Haltern Pflicht (mehr Informationen dazu findest du hier), doch besonders umfassend ist diese Prüfung bedingt durch den kurzen Zeitraum nicht. Vielmehr werden Grundlagen bzw. ein gewisses Grundverständnis bezüglich der Thematik abgefragt. Viele feine Einzelheiten und Details können also in diesem kleinen Rahmen gar nicht besprochen werden. Und letztlich handelt es sich hierbei auch um eine Prüfung, bei der vorhandenes Wissen lediglich abgefragt wird. Nicht, um eine Ausbildung, bei der Wissen vermittelt wird.

Abgesehen davon gibt es übrigens noch ein sehr beliebtes Schlupfloch. Nämlich den Begriff „Coach“. Um ein Coach zu sein, brauchst du nämlich wirklich gar nichts. Ja, du kannst dich sogar als Hundecoach bezeichnen, wenn du noch nie in deinem Leben einen Hund vor der Nase hattest. Denn hierfür gibt es keinerlei Vorschriften. Das bedeutet, du kannst dich problemlos im Internet hinstellen und ihnen erzählen, wie nun was funktioniert. Einfach so, egal ob es richtig ist oder nicht.

Schema F – Ein Video für 100 Hunde?

Entsprechend ist das Internet geradezu überschwemmt von den unterschiedlichsten Inhalten. Es gibt Blogs, Social Media Kanäle, richtige Onlinekurse … Die kosten übrigens auch gern mal ein kleines Sümmchen. Wäre ja grundsätzlich nicht schlimm! Wissen / Qualität hat nun mal ihren Preis. Aber meistens ist davon leider nicht sonderlich viel zu finden. Stattdessen meldest du dich zu einem dieser besagten Kurse an (meist ja weil ein bestimmtes Problemverhalten vorliegt) und bekommst als Dankeschön für dein Geld ein Video zugeschickt. Ein Video, dass vor dir schon 100 andere Leute einfach so dahin geklatscht bekommen haben, mit einer Anleitung, wie du das nun in den Griff bekommst.

Irgendwelche Vorinformationen brauchtest du nicht geben. Der Typ kennt dich und deinen Hund auch gar nicht. Hat keine Ahnung, wie euer Alltag so läuft, was in der Vergangenheit passiert ist, nichts. „Gar nicht nötig“. Ah ja. Blöd nur, dass das eben nicht funktioniert.

Individualität statt Schema F

Es ist, als würden wir Menschen eine Therapie machen. Wir können nicht 50 Leute auf den Sessel setzen und jedem erzählt der Therapeut genau das Gleiche. Na gut, können wir schon. Nur wird es wohl den aller wenigsten davon helfen, weil die Ursachen für ihre Probleme ganz unterschiedlicher Natur sind. So geht es auch unseren Hunden.

Jeder einzelne ist ein völlig einzigartiges Individuum. Mit ganz eigenen Verhaltensmustern, Gefühlen, Charakteren, Vorgeschichten, Vorlieben, usw. Jeder einzelne. Das bedeutet, um wirklich effektiv helfen und trainieren zu können, müsste jeder einzelne vorab genau unter die Lupe genommen und das Training entsprechend angepasst werden. Nix mit 1 Video für 100 Hunde. Nix mit Schema F für alle. Klappt nicht.

Online lernen – Ist das sinnvoll?

Wichtig ist mir an dieser Stelle zu betonen, dass trotzdem nicht alles im Internet grundsätzlich schlecht ist. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Die Technologie schreitet stetig fort und so bietet das World Wide Web unzähligen Menschen die Möglichkeit, sich von Zuhause aus weiterzubilden. Denn es gibt sie! Hundeschulen, die mittlerweile wirklich hochwertige Ausbildungen, Schulungen oder Webinare anbieten. Sorgsam recherchiert, aufgearbeitet, mit Videomaterial veranschaulicht und von Profis übermittelt. Dort lohnt es sich auf jeden Fall Geld zu investieren, denn wie gesagt: Hier finden wir Qualität! Gerade für Menschen, die weiter ab vom Schuss wohnen, haben so die Möglichkeit sich fortzubilden.

Rund ums Thema Hund gibt es ja schließlich einiges an Wissen, dass man sich aneignen sollte. Die unterschiedlichsten Komponenten und Ausdrucksweisen werden genau studiert, um sie später je nach Zusammenstellung richtig deuten zu können. Das gibt es also. Das Grundwissen. Doch ein guter Hundetrainer pickt sich daraus die zutreffenden Dinge heraus und baut sie individuell zusammen. Nicht ein Trainingsplan für alle.

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