Erziehung

Konsequenz – Wie du dich liebevoll durchsetzt

Konsequenz in der Hundeerziehung

In ein paar anderen Artikeln, wie hier zum Thema Grundregeln, habe ich ja schon mehrmals angesprochen, wie wichtig Konsequenz ist. Zumindest dann, wenn wir möchten, dass unser Hund uns und unsere Entscheidungen akzeptiert. Nun stellt sich aber die Frage: Wie mache ich das am besten? Muss ich old school mäßig ständig rumbrüllen und zur Strafe eine Zeitung auf den Hundepopo hauen? Wie ist das mit all den alten Trainingsmethoden? Oder gibt es einen weg auch liebevoll konsequent zu sein? All das erfährst du hier.

Erziehung im Wandel

Es ist noch gar nicht all zu lange her, da gehörte lautes Geschrei und ein Stromhalsband zu ganz normalem Hundetraining dazu. Unsere Hunde wurden weniger als fühlende Lebewesen wahrgenommen, die unter solchen Methoden litten. Es war normal. Standard. So wurde es schon immer gemacht und immerhin funktionierte es auch. Wer würde sich schon freiwillig Schmerzen einhandeln?

Gott sei Dank hat sich in den letzten Jahren aber einiges getan. Inzwischen sind aversive Trainingsmethoden oft mehr als ungern gesehen und die Menschen bedienen sich zunehmend mehr an anderen Taktiken, die auf Schmerz, Angst und Unterdrückung verzichten. Denn es ist bewiesen, dass der ständige Einfluss dieser Faktoren einen extrem schlechten Einfluss auf die mentale Gesundheit unserer Hunde hat.

Wie ein Kind, das regelmäßig angebrüllt und geschlagen wird, leiden auch unsere Vierbeiner sehr darunter. So wird letztlich nicht nur das Vertrauen zwischen Hund und Halter zerstört, sondern es können sich schwerwiegende Verhaltensstörungen entwickeln. Dazu gehört, dass der Hund und starker und permanenter Angst leidet. Futter verweigert, sehr oft bellt, Dinge zerstört, selbstschädigendes Verhalten zeigt (zb. sich wund lecken) oder aber ein gesteigertes Aggressionspotenzial zeigt. Letzteres kann bis zu schweren Beißvorfällen führen.

Hundetraining heute

Trotz der bekannten möglichen Konsequenzen, gibt es noch heute viel zu viele „Trainer“, die mit solchen Methoden „trainieren“. Wobei ein solches Verhalten eher von fehlendem Wissen und absoluter Inkompetenz zeugt. „Gewalt beginnt dort, wo wissen endet.“, habe ich erst heute wieder gelesen und kann dem nur zustimmen. In welcher Situation sollte Gewalt auch hilfreich sein? Bei einem ängstlichen Hund? Einem überdrehten oder einem ohnehin schon aggressiven Hund? Wohl kaum.

Mittlerweile gibt es viele Hundetrainer, die sich intensiv mit der Thematik befasst und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in ihre Arbeit einbezogen haben. Sie respektieren die Emotionen der Vierbeiner, bauen das Training positiv auf und verzichten auf Einschüchterung (egal auf welche Weise). Und auch die Hundebesitzer selbst haben sich verändert. Trotz so mancher Negativbeispiele, sehe ich täglich auch unzählige Hundehalter die ganz hervorragende Arbeit lesen. Die sich wirklich Gedanken machen, ihr Verhalten reflektieren und auf liebevolle Erziehung setzen. Ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Liebevolle Konsequenz – Der Ton macht die Musik

Das ist nicht nur ein Sprichwort oder gilt für uns Menschen untereinander. Die Art und Weise, wie wir bestimmte Dinge kommunizieren, trägt maßgeblich dazu bei, wie unser Gegenüber sie aufnimmt. Selbst bei einem einfachen „Nein“ kann man das schon sehr deutlich beobachten. Wenn du deinem Hund beispielsweise ganz ruhig den angeknabberten Schuh wegnimmst und dabei ebenso ruhig aber bestimmt ein „Nein“ dazu sagst, versteht dein Hund schon sehr gut, dass du das nicht möchtest. Allerdings ohne dabei Angst zu haben. Reißt du ihm den Schuh nun aber aus dem Mund und schreist „Nein!“ durch die Gegend, wird er mit ziemlicher Sicherheit Angst bekommen und sich verstecken oder ähnliches. Und das ist natürlich wenig förderlich für die Beziehung, denn dein Hund lernt, dass du wütend wirst, wenn er etwas tut, dass du nicht möchtest.

Switchen wir mal ins nächste Beispiel. Du und dein Hund seid im Park unterwegs. Er trägt keine Leine und ist ein kleines Stück von dir entfernt. Dort fängt er an Unfug zu machen. Meinetwegen Müll aufnehmen oder sowas. Du fängst wieder an laut und aufgebracht „Nein!“ zu rufen und was passiert? Entweder du hast „Glück“ und dein Vierbeiner spukt den Müll einfach wieder aus und klemmt den Schwanz zwischen die Beine oder aber du hast Pech und er hat solche Angst, dass er wegläuft. Gerade auf nicht eingezäunten Flächen ist das dann überaus schwierig, weil dein Hund vor ein Auto laufen könnte oder ähnliches. Das hat nichts mit Konsequenz oder Kompetenz zu tun.

Also: Wenn dein Hund etwas tut, dass du nicht möchtest, bleib ruhig. Denn die Emotionen schwingen in der Stimme mit und wie du sicherlich schon mal gehört hast, übertragt sich Hektik und Anspannung schnell von uns auf unsere Vierbeiner. Das bringt zwei Probleme mit sich.

  1. Ein ängstlicher Hund handelt nicht rational. Für ihn steht nur noch eines im Fokus: Flucht bzw. Schutz suchen. Und manche laufen dann einfach völlig kopflos davon, ohne auf irgendwelche Umwelteinflüsse wahrzunehmen. Das birgt ein großes Verletzungsrisiko.
  2. Ein verängstigter Hund ist kaum aufnahmefähig. Das bedeutet, er lernt in diesem Moment gar nicht wirklich etwas dazu sondern verknüpft einfach eine bestimmte Situation mit Angst. Das wiederum kann dazu führen, dass er eben nicht so reagiert, wie wir es gern hätten, sondern er einfach abhaut.

Konsequenz aber mit Feingefühl

Dieses Prinzip lässt sich auf die komplette Erziehung ausweiten. Es kommt immer darauf an, wie wir etwas kommunizieren. Dafür bedarf es nicht einmal Worte. Wir haben unzählige Möglichkeiten Grenzen klar und deutlich aufzuzeigen, ohne laut zu werden oder Angst zu verbreiten.

Dazu gehört beispielsweise, dass wir ein gemeinsames Spiel unterbrechen, wenn es zu grob wird. Oder das wir einfach körpersprachlich signalisieren, dass wir nicht möchten, dass unser Hund uns auf die Toilette hinterher kommt. Wir können unseren Hund auf seinen Platz verweisen, wenn er zu aufgeregt ist. All das geht in völliger Ruhe und mit Geduld.

Das bedeutet, auch wenn dein Vierbeiner nun schon das 3. Mal wieder von seinem Platz aufgestanden ist: Du bleibst ruhig UND bringst ihn wieder an seinen Platz. Denn das ist es, was Konsequenz bedeutet. Nicht herumschreien oder Angst und Schrecken verbreiten. Konsequenz bedeutet immer die gleichen Regeln durchzusetzen. Immer und immer wieder. Sich nicht weich klopfen lassen, durch den süßen Hundeblick oder jugendliche Rebellion. Ruhig und bestimmt immer wieder von vorn. Mit Feingefühl und Verständnis, denn im Endeffekt sind Hunde nichts anderes als Kinder: Sie müssen all das erst einmal lernen.

Der Schlüssel zu einer guten Beziehung

Und das ist es wirklich. Wer seinem Hund einen festen Rahmen gibt, in dem er sich bewegen kann und diesen mit Liebe und Geduld aufbaut und einhält, hat bereits gewonnen. Denn nur, wenn dir dein Hund vertraut, könnt ihr über euch selbst hinaus wachsen. Wie soll er beispielsweise eine Situation meistern, die für ihn furchtbar beängstigend ist, wenn er nicht mal seinem Besitzern vertraut? Er also völlig auf sich allein gestellt ist. Wie soll er lernen dich gewisse Dinge regeln zu lassen, wenn er kein Vertrauen hat? Oder lernen zu verstehen, dass du ihn beschützt, wenn du doch der-/ diejenige bist, vor der er regelmäßig flüchtet?

Ein gut eingespieltes Hund-Mensch-Team schafft all diese Dinge bedeutend leichter. Eine starke Bindung ist also unheimlich wertvoll und darum lohnt sich auch alle Mühe diese weiter aufzubauen allemal. Wenn dich dein Hund also das nächste Mal in den Wahnsinn treibt und die vielleicht gerade kurz davor bist auszuflippen: Atme einmal tief durch. Unsere Vierbeiner wollen uns nicht provozieren oder damit absichtlich ärgern. Und jetzt herumzubrüllen oder ähnliches bringt nichts. Mein Religionslehrer sagte einmal: Wer anfängt zu schreien, hört auf zu denken. Und am Ende sollten wir uns immer fragen: Würden wir in einer solchen Situation gern so behandelt werden?

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