Erziehung

Respektvoller Umgang – Darauf kommt es an

Respektvoller Umgang

Ein respektvoller Umgang miteinander ist eine wichtige Grundlage für ein entspanntes Zusammenleben. Immerhin macht es niemandem Spaß, wenn die eigenen Grenzen und Bedürfnisse ignoriert werden. Weder Mensch noch Hund. Doch was genau ist eigentlich respektvoll und was eher frech? Und haben nur unsere Hunde auf uns Rücksicht zu nehmen oder haben auch wir unseren Beitrag zu leisten? All das beantworte ich dir jetzt.

Warum ein respektvoller Umgang so wichtig ist

Es ist noch gar nicht so lange her, als Hunden das Fühlen von verschiedenen Emotionen abgesprochen wurde. Entsprechend wurden lange Zeit mit Vorliebe verschiedenste aversive Trainingsmethoden benutzt. Das bedeutet, dass man dem Hund ein bestimmtes Verhalten an- bzw. abtrainiert hat, indem man für ihn sehr unangenehme Reize genutzt hat. Diese Können dann beispielsweise Angst oder Schmerz auslösen. Dazu gehören unter anderem Wurfketten aber auch härtere Dinge wie Strom- und Stachelhalsbänder.

Inzwischen sich zumindest letztere in Deutschland verboten. Ebenso wie die leider gern genutzten Würgehalsbänder. Die Vierbeiner wurden also auf jede erdenkliche Art und Weise drangsaliert und das ohne Rücksicht auf Verluste. Denn nicht selten wurden diese dadurch völlig traumatisiert und selbstverständlich litt die Beziehung von Hund und Halter ganz gewaltig.

Die Auswirkung von Angst

Womöglich ist der ein oder andere Leser dabei, der selbst mit ständigen Ängsten zu tun hat. Aber auch alle anderen können sich sicher vorstellen, wie furchtbar es sein muss, wenn man wirklich in ständiger Angst lebt, weil jeden Augenblick etwas Schlimmes passieren könnte. Auch für den Hund ist das mächtig blöd und bedeutet jede Menge Stress. Genau genommen: Dauerstress. Und der ist absolut schlecht für die Gesundheit und mindert auch die Leistungsfähigkeit.

Die Auswirkungen von dieser permanenten Anspannung sind vielfältig. Über Magen-Darm-Probleme, verminderter oder verstärkter Appetit, verschiedene stereotype Verhaltensweisen, wund lecken verschiedener Körperteile oder die Entwicklung sind nur einige davon. Zudem ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen, dass sich dauerhafter Stress und Angst negativ auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns auswirken und dort teilweise irreparable (also nicht rückgängig zu machende) Schäden anrichten können. Das Erlernen neuer Dinge fällt bedeutend schwerer und natürlich ist auch die Motivation insgesamt vermindert.

Eine gesunde Hund-Mensch-Beziehung

Eine funktionierende und rücksichtsvolle Beziehung zwischen Hund und Mensch ist also wirklich enorm wichtig. Dabei hat aber nicht nur unser Hund seine Pflichten, wie wir nun schon gelernt haben. Wenn wir wollen, dass unser Vierbeiner mit Freude mitarbeitet, müssen auch wir bestimmte Dinge beachten. Dazu ist es unter anderem wichtig seinen Hund gut zu kennen, um seine Bedürfnisse entsprechend achten zu können. Doch es gibt auch einige grundlegende Dinge, die auf so ziemlich jeden Hund zutreffen. Halten wir diese ein fördern wir die Bindung und das Vertrauen zwischen uns und unserem vierbeinigen Freund.

Die Aufgaben des Hundehalters

Also was sind nun unsere Aufgaben für einen respektvollen Umgang? Tatsächlich ein paar mehr, als der ein oder andere vielleicht denkt. Trotzdem bedeutet das nun aber nicht, dass wir super viel zu tun haben. Wer ein grundlegendes Verständnis für seinen Vierbeiner hat und sich einfach immer wieder die Frage stellt „Würde mir das gefallen?“, der macht vieles schon vollkommen automatisch.

Dazu gehören einfache Sachen wie:

  • Der Hund wird nicht einfach abrupt geweckt, wenn er gerade tief und fest schläft.
  • Wenn der Hund sich auf seinen Platz zurückzieht, wird er in Ruhe gelassen.
  • Der Hund wird nicht zur Belustigung geärgert, egal in welcher Form.
  • Man achtet darauf, dass Besuch oder auch die eigenen Familienmitglieder vernünftig mit dem Hund umgehen. (Siehe zb. an Ohren oder Schwanz ziehen)
  • Der Hund muss sich nicht von jedem anfassen lassen.
  • Man schleppt den Hund nicht an vollkommen überfüllte Plätze, wo er kaum laufen kann oder extremer Lärm herrscht.
  • Man schützt seinen Hund vor aufdringlichen Menschen oder anderen Hunden bzw. Tieren.
  • Man bringt den Hund an einen geschützten Ort um runter zu kommen, wenn ihm alles zu viel wird.
  • Man benutzt keine aversiven Trainingsmethoden.
  • Man gibt ihm genug Zeit zum lernen und erwartet nicht alles auf einmal und sofort.
  • Man erkennt die Grenzen des Hundes an und treibt ihn nicht immer weiter an, Hauptsache die Leistung stimmt.
  • Man gönnt dem Hund Pausen.
  • Man erkennt die Bedürfnisse des Hundes an. (Bsp. Anschluss an Familie, Bewegungsdrang, usw.)

Du siehst, ganz einfache Dinge, die eigentlich auch selbstverständlich sein sollten. Leider ist dieses Verständnis noch lange nicht bei allen angekommen und für viele ist ein Hund ein Individuum, dass quasi nichts zu melden hat. Genau deshalb habe ich auch beschlossen diesen Artikel hier zu schreiben. Manch einer weiß es vielleicht gar nicht besser und denkt sich „Hm, aber das war ja schon immer so! Dann wird das schon richtig sein!“ Nein, leider nicht. Solche Dinge schaden unseren Hunden nachweislich.

Respektvoller Umgang seitens des Hundes

Natürlich haben auch unsere Vierbeiner so ein paar Dinge, die sie nicht mit uns machen sollten. Dazu gehört uns einfach volle Möhre umzurennen, obwohl genug Platz zum ausweichen ist. Einfach Essen aus der Hand zu klauen, an der Leine zu zerren oder sehr unvorsichtig mit uns zu spielen, sodass wir uns auch gern mal weh tun.

All das sind Dinge, die man nicht tolerieren, sondern konsequent korrigieren sollte. Hunde sind Egoisten. In erster Linie interessieren sie ihre eigenen Bedürfnisse und welchen Nutzen sie aus dieser oder jener Situation ziehen können. Deshalb ist es unsere Aufgabe ihnen unsere Grenzen beizubringen. Denn vielleicht ist es am Anfang noch lustig, wenn der süße kleine Welpe dir dein Brötchen aus der Hand stibitzt. Wenn das ein ausgewachsener 40kg Schäferhund macht und das nicht mal ziemlich sachte, dann ist das schon weniger unterhaltsam.

Oder ein anderes Beispiel: Dein Welpen trifft dich beim Tau ziehen am Finger, weil er ohne Hemmungen zuschnappt. Nicht ungewöhnlich. Das ist in dem Alter vielleicht noch okay, auch wenn es mit den spitzen Zähnchen bereits zwirbelt. Aber wenn ein ausgewachsener Hund dir voll in die Hand beißt, weil ihn eben nicht interessiert ob er dich oder das Spielzeug erwischt, dann wird es sehr unangenehm. Egal ob nun eine Deutsche Dogge oder ein Chihuahua. Das Zauberwort: Beißhemmung! Oder anders gesagt: Dein Hund lernt von klein auf, dass du nicht von ihm gebissen werden möchtest und dann nämlich das Spiel direkt beendest.

Deine individuellen Grenzen

Welche Grenzen du für dich selbst aufstellst, sodass es sich für dich wie ein respektvoller Umgang anfühlt, musst du ganz allein entscheiden. Jeder Mensch ist anders und hat andere Vorstellungen davon. Deshalb möchte ich dir in diesem Artikel auch gar nicht genau vorschreiben, was du da genau wählen sollst. Nur vielleicht ein kleiner Tipp.

Überlege vorher immer „Finde ich das auch in Ordnung, wenn mein Hund ausgewachsen ist?“ bzw. „Finde ich das auch in Ordnung, wenn es dauerhaft so ist? Egal in welcher Situation?“ Wenn ja, okay. Dann mach das so. Wenn nein, dann arbeite frühzeitig und vor allem konsequent dagegen. Und bedenke immer, dass es durchaus problematisch werden kann, wenn dein Vierbeiner glaubt, er könne alles mit dir machen und du hast ihm gar nichts zu sagen. So fangen unzählige ziemlich unschöne Geschichten von Problemfällen an.

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